Dr. Veronika von Heise-Rotenburg

Der Go-Live eines ERP-Systems wird oft als Projektabschluss gefeiert. Tatsächlich beginnt hier erst die Phase, in der sich die Investition rechtfertigen muss. Studien zeigen: Unternehmen mit aktiver Post-Go-Live-Governance erzielen einen bis zu vierfachen ROI.

Vom Data Crunching zum Fast Close

Ein zentraler Erfolgsindikator ist die Verkürzung von Abschlusszyklen. Bei Everphone sank die Zeit bis zu belastbaren Monatszahlen von acht auf sechs Tage. Der Mehrwert liegt nicht nur in der Zeitersparnis: Das System ermöglicht bereits nach sechs Tagen eine proaktive Analyse und Kommentierung statt eines reinen Endergebnisses.

Produktivitätssprünge pro FTE

Die Verarbeitungseffizienz lässt sich an der Transaktionslast pro Mitarbeitendem messen. Bei Everphone stieg die Kapazität im Forderungsmanagement um 35 Prozent, in der Kreditorenbuchhaltung um 19 Prozent. Das ERP wirkt als Grenzkostensenker und entkoppelt Unternehmenswachstum vom Personalaufbau.

Kostensenkung durch Automatisierung

Die benötigte Kapazität für den Jahresabschluss sank von über 13 auf circa 10 FTE – trotz zusätzlicher Gesellschaften und komplexerer Konsolidierung. McKinsey beziffert das Automatisierungspotenzial in der Finanzfunktion auf bis zu 40 Prozent.

Self-Service-Reporting statt Reportfabrik

Ein erheblicher Kostenblock entsteht durch manuelle Berichtserstellung für andere Bereiche. Der Wechsel zu einem systemgestützten Self-Service-Modell eliminiert diesen Aufwand. Datenvalidität wird systemseitig garantiert, Berichte sind on demand verfügbar.

Messen statt hoffen: Das KPI-Framework

Ohne Baseline-Messung bleibt geschaffener Wert unsichtbar. Vor dem Go-Live definierte KPIs – Close-Dauer, Transaktionen pro FTE, Fehlerquote – sollten quartalsweise erhoben werden. Nur so lässt sich nachvollziehen, wo nachgesteuert werden muss.

Leider ist Value Realization ist kein Selbstläufer: Wer nach dem Go-Live keine KPIs definiert und keine Kapazitäten für Weiterentwicklung sichert, verschenkt den Investitionswert. Und das sollten wir – sowohl aus kommerziellen Motiven, als auch für die Team-Motivation – unbedingt vermeiden.

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