Asset-based Financing bietet Startups eine skalierbare Alternative zu klassischem Eigenkapital, wie ich im letzten Artikel beschrieben habe. Doch die finanzielle Belastung einer solchen Struktur wird oft unterschätzt. Für CFOs und Gründer*innen asset-intensiver Modelle ist eine präzise Kosten-Nutzen-Analyse daher unerlässlich. Dieser Artikel schlüsselt die Aufwände auf und zeigt, warum sich das Investment im Vergleich zu Venture Debt dennoch lohnt.
Einmalige Aufwände beim Setup
Die Etablierung einer ABF-Lösung erfordert erhebliche initiale Ressourcen und eine Vorlaufzeit von sechs bis neun Monaten. Zu den direkten Kosten gehören Strukturierungsgebühren der Banken, die bis zu typischerweise 0,5-2% der Kreditsumme betragen können. Hinzu kommen hohe Honorare für Drafting- und Reviewing-Counsel sowie Kosten für Ratings und eventuelle steuerliche Einschätzungen. Bei komplexen Verbriefungen können sich die Anwalts- und Strukturierungskosten auf 600.000 bis 800.000 Euro summieren. Initial fallen zudem Gebühren für Field Audits durch Wirtschaftsprüfer und externe Bewertungen der Assets an, falls die Banken solche Positionen einfordern.
Laufende operative Kosten
Neben den Zinsen für die genutzte Kreditlinie entstehen im Betrieb weitere Aufwände, u.a. Commitment-Fees für nicht in Anspruch genommene Teile der Fazilität sowie Gebühren für das Collateral Monitoring, entweder an Banken oder spezialisierte Provider. Dasselbe gilt für Corporate-Services-Dienstleister, falls eine Fremdgeschäftsführung oder die Auslagerung weiterer Dienstleistungen (z.B. Accounting, regulatorische Meldungen) übernommen werden soll, und Backup-Servicer, die auch in der „kalten“ Phase (also vor einem möglichen Event of Default, Ausfall des Unternehmens) Gebühren veranschlaten. Regelmäßige Reportings und Audits zur Prüfung der Covenant-Einhaltung erfordern kontinuierliche Budgets für Wirtschaftsprüfer. Auch wiederkehrende Appraisals zur Wertermittlung und Kosten für die Steuerberatung können Teil der Vereinbarung sein, und müssen in diesem Fall eingeplant werden. Vertragsänderungen während der Laufzeit ziehen zudem oft erneute Bank-Fees und Anwaltshonorare nach sich.
Interne Kapazitäten als Kostentreiber
Der tatsächliche Kostentreiber liegt oft in der internen Organisation und den Personalkosten. Eine bankerfahrene Person muss die Finanzierungsstruktur initial aufsetzen und alle Fachbereiche einbinden – und eine solche Person wird eher banktypische als startup-typische Gehälter erwarten. Zudem müssen interne Prozesse wie die Bonitätsprüfung oder das Forderungsmanagement „bankable“, also für Bank-Erwartungen passend, redesigned und umfangreich dokumentiert werden. Da Banken oft den Nachweis erfahrener Mitarbeitender verlangen, steigen die Lohnkosten z.B. im Fachbereich Bonitätsprüfung oder Collections im Vergleich zu startup-typischen Junior-Teams. Hinzu kommt der administrative Aufwand für die separate Buchhaltung des SPV, Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, etc.
Risiken und strategische Abwägung
Jede ABF-Struktur birgt Risiken, wie etwa Nachforderungen bei einer Wertminderung der hinterlegten Sicherheiten – auch diese möglichen Kosten und Cash-Impacts sollten frühzeitig bedacht und in die Kalkulation und ggf. Cash-Planung mit einbezogen werden. Dennoch bleibt ABF eine nachhaltige Option, da die Zinsen mit etwa 3% bis 8% oft nur einen Bruchteil der Kosten von Venture Debt (15-20% zzgl. Equity-Kicker) ausmachen.
Key Takeaways
Erstens erfordert ABF hohe initiale Investitionen in Experten und interne Datenprozesse. Zweitens bietet es langfristige Planungssicherheit durch eine Rückzahlungsstruktur, die an reale Cashflows gekoppelt ist. Drittens ist die Skalierbarkeit für asset-heavy Geschäftsmodelle der entscheidende strategische Hebel.
Wenn du die Finanzierung sichern willst, starte mit dem Aufbau bankgerechter Datenstrukturen für deine Assets – aber behalte die Kosten im Blick, und sichere dir ggf. (Equity) Fundraising, um diese zu tragen!