Dr. Veronika von Heise-Rotenburg

70 Prozent aller ERP-Implementierungen verfehlen ihre Ziele. Die Ursache liegt selten in der Technologie, sondern in Defiziten bei Governance und Teamstruktur. Fünf Erfolgsfaktoren aus Forschung und Praxis zeigen, worauf es ankommt.

Management-Attention ist kein Nice-to-have

Die Forschung identifiziert Executive Sponsorship als stärksten Korrekturfaktor für ERP-Projekte, die den Zeitrahmen zu sprengen drohen. Konkret: Wöchentliche Reviews auf C-Level, ein aktives Steering-Board und schnelle Entscheidungen bei Zielkonflikten.

Blended Partnership statt Outsourcing

Die vollständige Delegation an einen Dienstleister birgt ein strukturelles Risiko: Systemwissen verlässt das Unternehmen. Ein integriertes Modell – externe Consultants kombiniert mit internem ERP-Manager und Entwicklerteam – sichert fachliche Tiefe und Knowledge-Transfer. Bei Everphone war diese Struktur zentral für die Stabilität nach dem Go-Live.

Key-User von Anfang an einbeziehen

Spezifikationen, die gemeinsam mit späteren Anwendenden entstehen, reduzieren nachweislich Scope-Creep. Fachverantwortliche fordern nur an, was sie operativ benötigen. Gleichzeitig steigt die Akzeptanz, weil das Team neue Prozesse über Tests verinnerlicht statt sie am Go-Live-Tag erstmals zu erleben.

Straffer Zeitrahmen mit klarem MVP

Ein ambitionierter Zeitplan verhindert, dass sich Projekte in Konzeptionsphasen verlieren. Everphone realisierte den Go-Live sieben Monate nach der Systementscheidung durch Fokussierung auf ein Minimum Viable Product: Zusätzliche Anforderungen wurden konsequent auf eine Post-Go-Live-Roadmap priorisiert.

Product-Mindset statt Install-and-Forget

ERP-Systeme sind keine abgeschlossenen IT-Projekte, sondern interne Produkte, die organisch mitwachsen. Ein dedizierter Product-Owner stellt sicher, dass neue Anforderungen – zusätzliche Gesellschaften, Konsolidierungskreise, weitere Module – systematisch einfließen.

Der Go-Live markiert den Übergang in den Dauerbetrieb, nicht das Projektende. Wer ein ERP-Projekt verantwortet, sollte Governance und Team-Setup vor der Technologieauswahl klären, denn: die Software ist selten der Engpass.

Fazit

Der Go-Live markiert den Übergang in den Dauerbetrieb, nicht das Projektende. Wer ein ERP-Projekt verantwortet, sollte Governance und Team-Setup frühzeitig klären. Denn die eigentliche Wertschöpfung beginnt erst danach. Wie sich der ROI nach dem Go-Live messen und realisieren lässt, beschreibe ich im nächsten Artikel dieser Reihe.

Ressourcen: