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Dr. Veronika von Heise-Rotenburg

Gartner erwartet, dass bis 2027 mehr als 70 Prozent der neu eingeführten ERP-Initiativen ihre ursprünglichen Geschäftsziele nicht vollständig erreichen. Die Ursache liegt selten in der Technologie, sondern in Defiziten bei Governance und Teamstruktur. Fünf Erfolgsfaktoren aus Forschung und Praxis zeigen, worauf es ankommt.

Management-Attention ist kein Nice-to-have

Die Forschung identifiziert Executive Sponsorship als stärksten Korrekturfaktor für ERP-Projekte, die den Zeitrahmen zu sprengen drohen. Konkret: Wöchentliche Reviews auf C-Level, ein aktives Steering-Board und schnelle Entscheidungen bei Zielkonflikten.

Blended Partnership statt Outsourcing

Die vollständige Delegation an einen Dienstleister birgt ein strukturelles Risiko: Systemwissen verlässt das Unternehmen. Ein integriertes Modell – externe Consultants kombiniert mit internem ERP-Manager und Entwicklerteam – sichert fachliche Tiefe und Knowledge-Transfer. Bei Everphone war diese Struktur zentral für die Stabilität nach dem Go-Live.

Key-User von Anfang an einbeziehen

Spezifikationen, die gemeinsam mit späteren Anwendenden entstehen, reduzieren nachweislich Scope-Creep. Fachverantwortliche fordern nur an, was sie operativ benötigen. Gleichzeitig steigt die Akzeptanz, weil das Team neue Prozesse über Tests verinnerlicht statt sie am Go-Live-Tag erstmals zu erleben.

Straffer Zeitrahmen mit klarem MVP

Ein ambitionierter Zeitplan verhindert, dass sich Projekte in Konzeptionsphasen verlieren. Everphone realisierte den Go-Live sieben Monate nach der Systementscheidung durch Fokussierung auf ein Minimum Viable Product: Zusätzliche Anforderungen wurden konsequent auf eine Post-Go-Live-Roadmap priorisiert.

Product-Mindset statt Install-and-Forget

ERP-Systeme sind keine abgeschlossenen IT-Projekte, sondern interne Produkte, die organisch mitwachsen. Ein dedizierter Product-Owner stellt sicher, dass neue Anforderungen – zusätzliche Gesellschaften, Konsolidierungskreise, weitere Module – systematisch einfließen.

Der Go-Live markiert den Übergang in den Dauerbetrieb, nicht das Projektende. Wer ein ERP-Projekt verantwortet, sollte Governance und Team-Setup vor der Technologieauswahl klären, denn: die Software ist selten der Engpass.

Fazit

Der Go-Live markiert den Übergang in den Dauerbetrieb, nicht das Projektende. Wer ein ERP-Projekt verantwortet, sollte Governance und Team-Setup frühzeitig klären. Denn die eigentliche Wertschöpfung beginnt erst danach. Wie sich der ROI nach dem Go-Live messen und realisieren lässt, beschreibe ich im nächsten Artikel dieser Reihe.

Auswahl und Implementierung von Finance-Tools sind Gegenstand von Kapitel 9 (Finance Technology) in Finanzmanagement in Start-ups und Scale-ups.

Ressourcen:

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Alle Beiträge, Fachveröffentlichungen und Podcasts zu diesem Schwerpunkt sind auf der Themenseite gebündelt: Digital Finance und Finance-ERP: Übersicht →

Über die Autorin

Dr. Veronika von Heise-Rotenburg ist CFO und Geschäftsführerin bei Everphone. Ihre Schwerpunkte sind der Aufbau und die Skalierung von Asset-based-Financing-Modellen und die Professionalisierung von Finanzbereichen. Sie ist Aufsichtsrätin und Vorsitzende des Audit Committees der BAWAG Group AG und Herausgeberin von „Finanzmanagement in Start-ups und Scale-ups“.

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